Crossing Jordan
Ich bin zurück und weiß nicht, wie ich die vielen Eindrücke in Worte fassen soll - oder in Bilder. Keine Kamera vermag die Weite der Wüste festzuhalten oder die Geräuschkulisse eines arabischen Marktes einzufangen.
So viel Urlaub in nur einer Woche, geht das? Tempelanlagen, Wüstenschlösser, Picknick auf dem Hochplateau des Grand Canyons von Jordanien (Wadi Mujib), eine Jeepsafari durch die
Wadi Rum auf den Spuren Lawrence von Arabiens, Kamelreiten, Schnorcheln im
Korallenriff des Golf von Aqaba am Roten Meer und tags darauf die Leichtigkeit des
Toten Meeres genießen. Von Petra, der sagenumworbenen Felsenstadt der Nabatäer, ganz zu schweigen. Man MUSS dieses neue alte Weltwunder mit eigenen Augen gesehen haben.
Ich war am tiefsten Punkt der Erde, 400m unter dem Meeresspiegel, doch es fühlte sich überhaupt nicht an wie eine "Depression". Im Gegenteil, selten hat etwas meine Seele so beflügelt wie die letzte Woche. Ich habe mit den Füßen im Jordan gestanden, in Bethanien, an der Taufstelle Jesu. Der Jordan entpuppt sich nicht als der mächtige Strom, den man vermutet. Vielmehr ein dünnes braunes Bächlein - fototechnisch nicht gerade ein Sensationsmotiv. Beeindruckend war es dennoch.
Vom Berg Nebo habe ich auf das gelobte Land geschaut wie einst Moses, so die Überlieferung. Den See Genezereth und die von Israel besetzten südlichen Golanhöhen (eigentlich Syrien) kann man im Norden des Landes, von Umm Quais, erspähen. Ich hatte zuvor keine Ahnung, dass Jordanien - das Land besteht zu 80 % aus Wüste - so viele Sensationen und so viel Religionsgeschichte aufzuweisen hat.
Überhaupt lässt Jordanien das Herz eines jeden Archäologen höher schlagen. Bethanien beispielsweise wurde erst 1998 bei Ausgrabungen entdeckt; inzwischen gibt es mehrere Kirchen drum herum und beide Päpste, Johannes Paul und Benedikt, waren schon da. Ein Wunder, dass nicht noch mehr zerstört wurde bis zur Entdeckung: die Taufstelle liegt mitten im Krisengebiet. Der Nahostkonflikt ist allgegenwärtig und doch hat das Land sich eine gewisse Unabhängigkeit bewahrt; Toleranz wird ganz groß geschrieben.
Dazu die wunderbare Küche, arabischer Kaffee, würziger Beduinentee und wahnsinnig gastfreundliche, aufgeschlossene Menschen, die passabel Englisch sprechen. Natürlich gibt es einige Herausforderungen zu bewältigen: Infrastruktur, Wassermangel (der viertgrößte der Welt), Sicherheit (unser Bus wurde nahezu die ganze Zeit von einem Mitglied der Tourist Police begleitet, was hätte er im Ernstfall aber eigentlich ausrichten können).... doch dem Land bleiben noch viel mehr Touristen zu wünschen.
