"Die Passbilder sind die Rache der Fotografen an den Gesichtern."
Leider habe ich diesen - vor Jahren zufällig aufgeschnappten - Ringelnatz-Spruch zu sehr verinnerlicht. Und so bin ich fest überzeugt, dass die Konfrontation meines Gesichts mit einer scharfen Linse nichts Gutes hervorbringen kann. Auch löst die aufmunternde Aufforderung "Und immer schön lächeln, ganz locker" bei mir die entgegen gesetzte Reaktion aus, und wenn ich dann noch die Zähne zeigen soll ("das wirkt viel offener"), wird es ganz schlimm.
Umso dümmer, dass ich aufgrund der viel gerühmten "Gesamtsituation" ausgerechnet jetzt in Zugzwang geraten bin mich auf dem krisengebeutelten Arbeitsmarkt (Stichwort: Rezession) möglichst vorteilhaft zu präsentieren, meine Optionen abzuwägen und mich meistbietend (in Hoffnung auf eine funktionierende Work-Life-Balance, Ihr wisst schon) an den Mann, äh Arbeitgeber, zu bringen.
Mein letztes Bewerbungsfoto (nach Einnahme von Alkohol mit viel Geduld und Mühe von einem Freund aufgenommen) hat knapp fünf Jahre auf dem Buckel und ich habe noch den Kommentar meines ansonsten äußerst netten Chefs im Ohr, als es um ein Foto fürs Ausstellerverzeichnis der letzten Roadshow ging: "Also, dieses Bild können Sie nun wirklich nicht mehr nehmen, Sie sehen inzwischen viel älter aus."
(Normalerweise gehe ich aber immer noch für Anfang Zwanzig durch).
Kurzum: Ein Fotograf musste her, ward schnell gefunden, tapfer bin ich hin, habe viel Geld da gelassen ("Wenn Sie drei Abzüge nehmen, kostet die Online-Datei nur 4,50 statt 15 Euro" - ich fall immer wieder rein auf so etwas) und mich letztendlich mühsam für ein passables Motiv entscheiden können, um dann eine Stunde später in einem ganz unkonventionellen Gespräch zwei Straßen um die Ecke einen unverschämt guten Job angeboten zu bekommen.
Bewerbungsfoto? Brauch ich nicht mehr. Kriegt Mutti fürs Portemonnaie. Da bin ich ja grad nochmal drumrum gekommen.