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Montag, 21. Juli 2008

Memento

Zum Glockenschlag
trat ich ans Grab

Im Schatten des Baumes
lebt die Erinnerung

Sonntag, 8. Juni 2008

Nackter Protest

Na das ist doch mal eine schöne Aktion: Im Adamskostüm radelnd für umweltfreundliche Fortbewegungsmittel und den Ausbau von Radwegen protestieren.

naked-bike
Foto: AP

So gesehen gestern in Madrid und anderen europäischen Metropolen. Hier etwa auch? Hab ich was verpasst?

Ich habe lediglich die verstörend bis erheiternde Meldung vernommen, dass zum freitäglichen Nachtskaten die hiesigen OB-Kandidaten mit von der Partie sein sollten.

Da ich trotz mehrjähriger Erfahrung im Skaten noch nicht auf Kommando bremsen kann, hab ich mir den Spaß nicht gegeben, aber sonst hätte ich doch gern beobachtet, wie die Anwärter auf den Dresdner Chefposten sich zwei Tage vor der Wahl unter Ellbogeneinsatz blaue Flecken oder gar Schlimmeres zuziehen - das nenne ich authentischen Wahlkampf. Weniger authentisch ist hingegen, dass die beiden totalen Brückenbefürworter unter den OB-Kandidaten plötzlich einen auf öko-alternativ machen. Bestimmt haben sie den Skatern versprochen, dass sie künftig über die neu gebaute Waldschlösschenbrücke rollen dürfen. Hoffentlich haben ihre Opponenten gleich erwidert: Durch den Tunnel ists viel cooler!

So rufe ich denn auf: Wer radelt mit mir nackt durch den Großen Garten aus Protest, wenn die täuschend nett daher lächelnde Kandidatin wie allseits befürchtet den Thron erklimmt?

Dienstag, 12. Februar 2008

Gedenken an die Tieferlegung

Über die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg macht man keine Witze.

Trotzdem – oder gerade deshalb – konnte ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen, als Franzi mich vor kurzem einlud, mit ihr bei einem Philharmoniekonzert der „Tieferlegung Dresdens“ zu gedenken.
So brutal daneben ist diese Metapher, dass sie mitten ins Schwarze trifft und in ihrer Grausamkeit der großflächigen Bombardierung Dresdens im Februar ’45 gerecht wird. Sie stammt auch nicht von Franzi, wie diese freimütig zugab, sondern aus der Titanic, deren Satire schon fast wieder zum politisch-korrekten Humor zählt.
Jedenfalls erinnerte mich der Vergleich an jene todernsten und strengen Situationen, in denen man nicht lachen darf und aus unersichtlichen Gründen in ein albernes, an Hysterie grenzendes und völlig inadäquates Lachen verfällt… Trauerfeiern, Prüfungen, Verhöre mit Mutti…

Gern willigte ich also ein – Beethovens Neunte stand auf dem Programm. Beinahe hätten wir den Eintritt verpasst. Schuld war das sündhaft leckere Dessert, Panna Cotta mit Zitroneneis an Safran-Ingwer-Sauce, das wir uns zuvor noch gegönnt hatten in einem an sich schnöden Systemgastronomieladen in der Nähe, für den wir an dieser Stelle auch nicht werben wollen. Das Dessert indes war großartig. Seinetwegen mussten wir die letzten Schritte zum Konzertsaal im Laufschritt zurücklegen. Der Mann an der Tür begrüßte uns mit einem hämischen „Wer zu spät kommt…“ – der Rest des Satzes verhallte jedoch ungehört auf den Stufen zur Loge. Wer zu spät kommt, dem erspart das Leben lange Wartzeiten – muss es wohl richtig heißen, denn, kaum hatten wir Platz genommen, erklang bereits der erste Ton.

Es ist schon etwas anderes, diesem großen Werk einmal in einem richtigen Konzertsaal mit Riesenorchester und hundertköpfigem Chor (in wie immer drolliger Kostümierung) zu lauschen als nur auszugsweise im Musikunterricht der Schule vom knirschenden Plattenspieler mit den ewig lärmenden Lümmeln von der hinteren Bank. Diese Wucht, diese Wonne, diese Worte … und so wurde mir schließlich von ganz allein ganz feierlich zumute.

63 Jahre nach seiner Zerstörung ist Dresden wie Phönix aus der Asche erstanden… Freude schöner Götterfunken.

Danke, Franzi!

Freitag, 28. Dezember 2007

Welterbe erhalten



Hier bin ich mir zum ersten Mal nicht sicher, ob "alles wird gut" zutrifft. Ohnmächtig verfolgt man, welche Schandtaten die vom Volk gewählten Vertreter angeblich "im Sinne des Volkes" verbrechen.

Wie groß der angerichtete Schaden bereits ist, lässt sich unter
http://www.zeit.de/online/2007/52/bg-dresden nachvollziehen. Gerade deshalb dürfen wir nicht aufhören, gegen dieses widersinnige, ja unsinnige Vorhaben anzukämpfen.

Welterbe erhalten: Brücke stoppen!

Sonntag, 9. Dezember 2007

Generation Abschied

Alle sprechen von der Spaßgeneration, von den freiheitsliebenden Twens, von den 30-jährigen, die nie erwachsen werden wollen und alles in Frage stellen. Life - a party.

Dabei verbindet uns alle in dieser Zeit die eine schmerzliche Erfahrung namens Abschied. Abschied von unseren Großeltern, die uns irgendwann zwischen unserem 20. und 30. Lebensjahr für immer verlassen und von denen wir meinten, sie würden ewig an unserer Seite bleiben.

Opis, deren Liebe zu uns keine Grenzen kannte, die uns nichts übel nehmen konnten und alles verziehen, bei denen die Regeln "Mittagsruhe", "Keine Süßigkeiten vorm Essen" oder "Nur 1 Stunde Fernsehen pro Tag" keine Anwendung fanden. Die einem keinen Wunsch abschlagen können und sich über eine Eins auf dem Zeugnis ihrer Enkel mehr freuen als die Enkel selbst. Die stolz sind auf uns, auch wenn wir selbst nicht stolz auf uns sind.

Omis, die ihr Leben lang geschuftet haben bis zur Schmerzgrenze, die ihre Babies durch den Krieg gebracht haben, während ihre Männer tausende Kilometer weit weg an der Front waren, die ihre Männer vielleicht sogar für immer verloren und sich mühsam ein zweites Glück aufbauen mussten und die seither eine Vorliebe für idyllische Volksmusik und Heimatfilme haben. Wer kann ihnen auch verdenken, dass sie keine Gewalt mehr im Fernsehen möchten, nach allem, was sie in ihrer Jugend erleben mussten. Die gern Talkshows und Seifenopern schauen, während das Leben ihrer Kinder und Enkel die meiste Zeit an ihnen vorbeigeht, da diese entweder zu weit weg wohnen oder keine Zeit haben sie zu besuchen. Trotzdem kennt ihre Liebe keine Grenzen und sie verzeihen alles. Sie sehen nur das Gute in uns.

Wenn sie von uns gehen, dann sind wir mit einem herben Schlag plötzlich erwachsen und begreifen erst jetzt, auch wenn wir es längst spürten, dass wir von an auf uns selbst angewiesen sind. Dem Ende der Unschuld gleich ist jeder Spaß, jede Verrücktheit, jedes Fest und jedes Neujahr ab dann ein wenig getrübt. Auch wenn wir es mitunter nur spüren, wenn wir tief in uns hineinhören.

Ein Königreich für unsere Großeltern! Unvergessen.

alles wird gut

das leben ist ein himbeertoertchen

Platten mit Suchtpotenzial



Cartridge
Fractures


Emiliana Torrini
Me and Armini


Lykke Li
Youth Novels


Martina Topley Bird
The Blue God

Lesestoff für faule Sonntage und schlaflose Nächte


Paul Auster
Die Brooklyn-Revue


Cornelia Schleime
Weit fort


Max Frisch
Homo Faber


Und was sagt der Wetterhahn?

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